In unserer Rubrik #Gesucht bitten wir regelmäßig um Mithilfe bei der Suche nach oder der Entschlüsselung von Fotos der NS-Deportationen. Heute fragen wir nach verschollenen Fotografien aus Memmingen.

 

Alltagsszene am Bahnhof Memmingen, 1944 (Foto: Stadtarchiv Memmingen)

 

Am 31. März 1942 wurden 49 Jüdinnen und Juden aus Memmingen und Umgebung vom städtischen Bahnhof aus über München in das Ghetto Piaski im deutsch besetzten Polen deportiert. Das geht aus dem Monatsbericht der Memminger Schutzpolizei für März 1942 hervor. In diesem Bericht, der an Bürgermeister Dr. Heinrich Berndl und Landrat Karl Wohlfahrt gerichtet war, erwähnt der Memminger Schutzpolizist Ferdinand Heindl auch, dass er den „Auszug der Juden aus Memmingen“ persönlich „im Bilde“ habe „festhalten lassen“ – doch bis heute sind diese Fotos verschollen.

 

Monatsbericht der Memminger Schutzpolizei für März 1942, Auszug 1 (Foto: Stadtarchiv Memmingen, B EAPl 024)

Monatsbericht der Memminger Schutzpolizei für März 1942, Auszug 2 (Foto: Stadtarchiv Memmingen, B EAPl 024)

 

Wörtlich heißt es im Monatsbericht: „Der Judentransport vom Rathaus zum Bahnhof Memmingen erweckte in der Stadt grosses Aufsehen. Ich habe ihn auch im Bilde festhalten lassen, weil der Auszug der Juden aus Memmingen, die früher hier sehr tonangebend waren, als ein Ereignis bezeichnet werden muss. […] Die Ansichten der Bevölkerung waren geteilt. Die einen lachten über den Judenauszug u. die anderen hatten Bedauern mit ihnen.“ (Stadtarchiv Memmingen, B EAPl 024)

 

Was ist über die Familien bekannt?

Durch Forschungen zur jüdischen Geschichte Memmingens konnten zwar die Namen der deportierten Menschen rekonstruiert werden. Über ihr Leben, insbesondere in den Tagen der Ausgrenzung und Diskriminierung ab 1933, ist jedoch wenig bekannt.

Aus Dokumenten geht hervor, dass der Memminger Landrat am 30. März 1942 von der Gestapo den Auftrag für den Abtransport nach München erhielt. Die betroffenen Familien wurden aufgefordert, mehrseitige Vermögenserklärungen für das Finanzamt abzugeben. Schon am 31. März 1942 mussten sie Memmingen mit dem Frühzug nach München verlassen. Von dort aus wurden sie am 4. Mai zusammen mit weiteren Frauen, Männern und Kindern aus Oberbayern und Schwaben in das Ghetto Piaski deportiert, wo sich ihre Spur verliert. Vermutlich wurden sie in den Vernichtungslagern Belcez und Sobobor ermordet.

 

Helfen Sie uns!

Wer kennt die im Bericht erwähnten Fotos oder andere Aufnahmen der damaligen Geschehnisse? Wurden die Bilder zerstört? Oder gibt es noch Abzüge in privaten Alben oder lokalen Archiven? Wissen Sie mehr darüber, wie die Deportation in Memmingen durchgeführt wurde? Helfen Sie uns, mehr Wissen über die Deportationen aus dem Deutschen Reich zwischen 1938 und 1945 zu sammeln. Wenn Sie Fotografien oder Dokumente kennen, schreiben Sie uns bitte.

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